Stella Goes Dressage

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Viele Allround-Reiter oder „Westernreiter“ generell haben ihre Karriere im Englischsattel begonnen und erst später die andere Reitweise für sich entdeckt. Bei Stella Peter ist genau das Gegenteil der Fall: Sie ist in der Allround-Szene bekannt als herausragende Youth und mittlerweile Amateur-Reiterin, mehrfache Europameisterin, Vize Deutsche Meisterin, Bayerische Meisterin … die Liste könnte lange so fortgeführt werden. Seit Neuestem sieht man auf ihrem Instagram-Account nicht nur ihr bewährtes Allround-Pferd Cats Hot Image, sondern auch immer wieder Bilder einer dunklen Stute, die rein optisch schon einmal kein Quarter Horse ist.

Stella und Image; Bild: Phil Oberberger
Stella und Image; Bild: Phil Oberberger

Stellas Geschichte mit diesem Pferd beginnt zu einem Zeitpunkt, an dem sie selbst viel durchmacht: Ende 2017 wird bei der damals 20-Jährigen Krebs diagnostiziert: „Ich habe bis jetzt zum Studium in einer Pferdeklinik gearbeitet. Dorthin kam ziemlich genau zu der Zeit, als das mit meiner Krankheit anfing, ein Pferd, das nicht mehr trinken und fressen konnte, weil die halbe Seite des Kopfes gelähmt war. Das war die damals noch fünfjährige Deutsche Reitpferdstute Editha“, erzählt Stella. Um die Stute war es nicht gut bestellt, eine OP musste sein: „Die Prognose für eine OP war sehr ungewiss und oft tritt die Besserung dann auch erst nach einigen Monaten ein. So hat mein Chef das Pferd auf eigene Kosten operiert und durfte sie danach behalten.“

Stella und Editha, Bild: Peter
Stella und Editha, Bild: Peter

Nicht nur Editha, auch Stella musste zum Arzt: „Edithas OP war genau an dem Tag meiner ersten Untersuchung, was uns vielleicht von Anfang an ein bisschen verbunden hat.“ Drei Monate stand die Stute an der Klinik, wurde dort longiert und bewegt. „Nach drei Monaten war bis auf eine hängende Lippe alles verheilt“, erinnert sich Stella. Aber wie sollte es mit dem Pferd weitergehen? „Da habe ich die Chance genutzt und mit meinen Eltern eine Box zuhause frei gemacht und meinen Chef angeboten, er könnte sie doch zu uns stellen. Er  hat das Angebot angenommen, aber er hat gleich gesagt dass erst wenig Zeit hat, sich zu kümmern und so haben eine Kollegin und ich angefangen, uns gemeinsam um Edi zu kümmern. Bis wir es nicht mehr ausgehalten haben: Nach circa drei Wochen bei uns zuhause haben wir uns einfach draufgesetzt und sind losgeritten.“

Bild: Peter
Bild: Peter

Für Stella die Gelegenheit, Dressur auszuprobieren: „Da meine Eltern schon früh mit der Quarter Horse Zucht angefangen hatten, habe ich von Anfang an im Westernsattel gesessen“, sagt die 21-Jährige. Mit Editha konnte sie nun aber Dressurunterricht nehmen und sich in andere Richtungen weiterbilden. Ihre Kollegin verletzte sich leider bei meinem Sturz von Editha – so musste Stella alles erst einmal alleine machen: „Meine Eltern waren dementsprechend begeistert, dass ich ein unberechbares Pferd in meiner Situation reite, aber ich habe Editha immer vertraut.“

Trotzdem gab es durch die Krankheit gewisse Einschränkungen: „Durch meine Bestrahlung und Operationen war ich leider auch nicht in der Lage, mich komplett alleine um sie zu kümmern und ich hatte oft auch nicht die Kraft, mich mit einem übermütigen Warmblut auseinanderzusetzen“, erzählt Stella. Also fing sie mit Basis-Übungen an: „Die erste Lektion war, führen üben und Kopf nach unten beim Aufhalftern. Für mich ganz normal, aber für viele Englischreiter wohl eher zweitrangig. So hat Editha einen am Anfang sanft überrannt und mittlerweile kann ich sie ohne Strick führen und auch bei kleinen Kindern macht sie brav ihren Kopf nach unten.“

Bild: Peter
Bild: Peter

Trotz ihrer vielen Eingriffe – Stella erzählt von zwei großen Operationen am Bauch und zwei an der Lunge – versucht sie, bei Editha am Ball zu bleiben: „Wenn sie mir bleibt, planen wir, nächstes Jahr auch mal das ein oder andere Turnier zu gehen.“

Das Training dafür sieht folgendermaßen aus: „Warm mache ich wie ein Westernreiter. Also Schritt am Anfang prinzipiell am langen Zügel. Dann, dadurch dass sie erst auf einem Dressurpferde A-Niveau ist, arbeite ich viel an der Anlehnung und der Durchlässigkeit. Sprich: viele Übergänge, Handwechsel und Stellungswechsel besonders im Trab. Wenn ich sie gut an der Hand habe, mache ich auch einige Trabverstärkungen mit anschließendem Zurückholen zum versammelten Trab und je nachdem, wie fit ich bin, das Ganze auch im Aussitzen. Meistens allerdings im Leichttrab, weil diese Gänge so anstrengend zu sitzen sind. Und dann sind im Dressursattel im Gegensatz zum Westernsattel die Bügel ja auch noch so leicht. Und im Hunter Sattel hat man die Bügel kürzer, da hängen die Beine auch nicht so lose.“

Innerhalb der kurzen Zeit hat Stella schon viel gelernt, gerade was Sitz und Hilfengebung angeht: „Beim ersten Ritt kam ich mir vor wie der erste Mensch, als ich es nicht mal geschafft habe, sie anzugaloppieren. Dabei wusste ich einfach noch nicht, wo die Knöpfe sind“, erinnert sich die 21-Jährige. Hilfe kam von einer Dressurreiterin aus dem Nachbardorf: „Sie hat uns kostenlose Reitstunden gegeben, weil sie so Spaß hatte, mit uns zu arbeiten.“

Einfach war es aber nicht immer: „Schwierigkeiten hatte ich mit meiner Zügelanlehnung: Meine Zügel waren anfangs immer chronisch zu lang. Ich war es einfach nicht gewohnt, so viel in der Hand zu haben. Natürlich ist es auch in der Dressur das Ziel, so wenig wie möglich am Ende mit den Händen halten zu müssen, aber da sie eben noch sehr grün ist muss man manchmal schon etwas ackern.“ Auch Kleinigkeiten, die das Westernreiten  mit sich bringt, funktionieren in der Dressur nicht: „Ein weiteres Problem: meine Zehenspitzen. Durch den Spurstop habe ich mir, angewöhnt die Zehenspitzen leicht nach außen gedreht zu haben – ob das jetzt gut ist, sei mal dahingestellt. Aber das ist in der Dressur ein absolutes No-Go. Auch einzuschätzen, wie Edi gerade ihren Hals trägt und wie sehr sie im Genick einknickt, fällt mir immer noch schwer, weil ich es einfach nie wirklich gelernt habe, von oben zu erkennen, wie es von unten aussieht. Bei Image weiß ich das mittlerweile genau.“

Bild: Peter
Bild: Peter

Und wie geht es Image? Er steht mit Edi auf der Koppel und wird am Wochenende bewegt: „Primär hat er aber einfach mal Pause. Ich habe es durch Krankheit und Studium einfach nicht geschafft, zwei Pferde voll zu reiten und Image hat ja mittlerweile so viel geleistet, dass er nicht mehr jeden Tag geritten werden muss.“ Der Fokus liegt dieses Jahr also auf Editha – und vielleicht auch im nächsten Jahr, wenn Stella und Editha die Dressurwelt erobern.


Many allround riders in Europe have started their riding career by riding dressage or jumping horses or ponies and only after a while transferred to the Western events. With Stella Peter, however, the opposite is the case: She is known as a great all-round rider and as a multiple European Champion, Reserve German Champion, Bavarian Champion … well, we could go on and on. Recently, however, her Instagram account is flooded with horse pictures – but it is not her trusted gelding Cats Hot Image we see, but a dark mare that does not really appear to be a Quarter Horse.

Stella and Image; picture: Phil Oberberger
Stella and Image; picture: Phil Oberberger

Stella’s story with this horse starts at a time the then 20-year-old is fighting a hard battle: By the end of 2017, Stella was diagnosed with cancer. “I have been working at a horse clinic before I started going to university. At the same time, I got my diagnosis, a horse arrived at the clinic. She was not able to eat or drink, because half of her head was paralyzed. The horse was a five-year-old German warmblood named Editha,” Stella says. The mare was in a bad condition and had to undergo surgery: “We could, however, not tell whether there would be a positive result after the surgery – given the fact that with that kind of surgery, the horse’s condition often improves after a few months. My boss at the clinic paid for the surgery and was allowed to keep the horse.”

Stella and Editha, picture: Peter
Stella and Editha, picture: Peter

But it was not only Editha who had a doctor’s appointment: “Her surgery was on the same day as my first examination – in a way, that created a special bond between us.” Editha spent three months at the clinic, got lunged a bit. “By that time, her condition had gotten a lot better. It was only her lip that was still a bit paralyzed,” Stella remembers. But where should they go from there? “I took the chance and offer by boss to let Editha stay at our barn at home. He accepted, but told me that he would not have much time to take care of her, so a colleague of mine and I started to take care of Edi. And at some point we could not resist: After three months at our place, we hopped on her and started to ride her.”

It was the chance for Stella to try out some dressage: “My parents got into Quarter Horses really early, so I have always been doing the Western events,” the 21-year-old told us. With Editha, however, Stella could broaden her horizon as an equestrian. Unfortunately, her colleague got hurt after falling off Editha – so Stella had to do everything on her own: “My parents were not really delighted, because I was riding a green horse given my medical situation – but I always trusted Editha.”

picture: Peter
picture: Peter

Stella’s sickness, however, led to some limitations: “While undergoing chemotherapy and several surgeries, I was not able to take care of Edi by myself – and on some days, I was missing the strength to handle a green horse.” So Stella did some ground work: “We practiced leading her around and having her take her head down while I was putting on a halter. To me, it is normal that a horse should do this, but some dressage riders tend to neglect that. In the beginning, Editha was gently running me over, but now I can lead her around without a lead rope and she even puts her head down when a child tries to put on a halter.”

Despite the many surgeries – two abdominal operations and two on the lungs – Stella wants to keep trying: “If Editha stays, we want to do some shows next year.” Stella told us what a training session with Editha looks like: “I warm her up like an all-round horse, going at the walk with a loose rein. Since Editha is currently on a dressage A-level we work a lot on her being well in the bridle and moving through her whole body, i. e. we do a lot of transitions, reverse and flexion, especially at the trot. If she is well in the bridle, I try some extended trot and after that getting back to the trot – depending on how I feel that day, I try sitting trot, but usually I do posting trot, because it is hard to sit. Plus, the stirrups are way longer if you do dressage compared to doing equitation and way lighter than the stirrups on a Western saddle.”

picture: Peter
picture: Peter

Stella has learned a lot within that short time and has broadened her knowledge on body position and how to used her hands and legs: “During my first ride, I felt like a someone who has never been on a horse – I did not even manage to get her to lope off. I did not know which buttons to push.” Stella got some advice from a dressage rider who lived nearby: “She gave us some lessons for free because she liked working with us.”

Things weren’t always easy for Stella: “I had such problems with my rein connection. My reins were always way too long. I was not using to ‚holding‘ the horse so much. Of course, the goal for dressage riders is to not do that, but since Edi is very green, I have to work a lot.” Stella experienced some difficulties that arose from her all-round training: “My toes were a big problem: I got used to turning my toes outside when doing a spur stop – whether that is good is anyone’s guess. It is a real no-go for a dressage rider. I also have trouble estimating how she carries her neck and if she gives away her neck. When I am riding Image, I always know what it looks like to someone who watches us and I can see that from above.”

picture: Peter
picture: Peter

Oh, by the way, how is Image doing? He is enjoying some time in the pasture and Stella rides him on the weekend: “He is taking some time off. With all that is going on – my sickness and university – I cannot ride to horses and Image has done so much for me, he does not have to work every day.” Stella wants to focus on Editha this year – and maybe next year, when they might conquer the dressage world.

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