Feedback to „Per Aspera Ad Astra“ or „Why Are There No More People Like Julia Hockmann“

Als wir vor einigen Tagen das Portrait von Julia Hockmann veröffentlichten, haben wir eine Menge positiven Zuspruch erhalten: Sowohl Nachrichten, als auch Likes und Facebook-Kommentare, von denen einer beinhaltete, dass Julia wohl den Traum eines jeden jungen Mädchens lebt. Ja, tut sie. Und doch sollten wir uns fragen, wieso Julias Geschichte so selten ist. Was manche vielleicht als emotionalen Beitrag oder gar romantisierende Darstellung ansehen, zeigt doch ganz genau, was für Probleme die Westernreitszene in Europa und im Allgemeinen hat.

Nun ist natürlich klar, dass dieser Beitrag unter der Prämisse des sogenannten FWP – First World Problem – gesehen werden muss. Neben Hungerkatastrophen in Somalia und der Flüchtlingskrise ist das Problem, über das sich unsere Szene im Klaren sein muss, auf keiner Ebene zu vergleichen. Und dennoch: Auch in unserer Szene gibt es Trainer, Züchter und Bereiter, die von etwas leben müssen. Was in dieser kleinen AQHA/APHA Szene, die es in Europa gibt, oftmals gar nicht so einfach ist – jeder junge aufstrebende Züchter oder Trainer kann davon sicher ein Lied singen. Wieso also einem jungen Mädchen den Traum vom Reitsport ermöglichen? Ich bin sicher, dass die Familie Jagfeld, als sie Julia in ihrem Team aufgenommen hat, tatsächlich nur das im Kopf hatte: Make a dream come true! Und doch haben sie damit einen Beitrag zu dieser Szene geleistet, den man nicht unterschätzen sollte.

In unserem Portrait sagte Julia, dass sie schon immer wusste, dass sie in Zukunft – gehen wir also vom Erwachsenenalter aus – ein Pferd besitzen möchte. Das heißt konkret: Eines schönen Tages wird sie sich aufgrund der Liebe zum American Quarter Horse, die die Familie Jagfeld mitgefördert hat, ein Pferd ebendieser Rasse kaufen, es zu einem Trainer stellen, Equipment von Herstellern aus unserer europäischen Szene kaufen. Zack, ein Kunde mehr. In einer Szene, in der ein Kunde mehr das Zünglein an der Waage sein kann.

Was die Familie Jagfeld damals für Julia getan hat und was auch einige andere Trainer oder Pferdebesitzer tun, ist ein Akt unglaublicher Großzügigkeit. Jeder, der fünf Tage die Woche von acht bis achtzehn Uhr oder länger arbeitet, wird mir zustimmen, wenn ich sage, dass das Pferd, das man sich von diesem hart verdienten Geld leistet, herzugeben, Großzügigkeit beweist. Das gilt ebenso für all jene, die Tag für Tag nach der Arbeit noch reiten und trainieren, um sich den Traum vom großen Titel zu erfüllen. Das hart trainierte Pferd, an jemanden abzugeben, den man nicht so gut kennt, der anders reitet, eben anders ist – das ist Großzügigkeit und ein Risiko. Und dennoch ist es ein Risiko, das sich viele in unserer Szene auch leisten könnten.

Oft werde ich von Außenstehenden gefragt, wieso „das Westernreiten“ – ein Begriff, den ich oft vermeide – denn so wenig präsent im öffentlichen Leben und der Popkultur ist. Die Antwort liegt nicht an der „schlechten“ Wirtschaftslage (FWP) oder an mangelndem Interesse, sondern darin, dass vieles in unserer Szene darauf ausgerichtet ist, dass wir abgeschottet bleiben. In jedem großen Sport, beispielsweise Fußball, ist die Jugendförderung ein zentraler Punkt jedes noch so kleinen Vereins aus Hintertupfingen. Im Westernreitsport hat am offensichtlichsten Punkt noch keiner angesetzt: Wie können wir talentierten Jugendlichen, die kein eigenes Pferd haben, die Möglichkeit geben, erfolgreich am großen Turniersport teilzunehmen?

Anstatt sich über die jeweiligen Programme der anderen Verbände oder „Pleasurekrüppel“ zu beschweren, wäre es nicht sinnvoller mit vereinten Kräften ein Jugendprogramm auszuarbeiten, von dem man nicht am nächsten Tag, sondern vielleicht erst in zehn Jahren profitiert, dafür aber dann viel umfangreicher? Damit dann in zehn Jahren nicht nur Julia vielleicht bei der Familie Jagfeld einen Pferdekaufvertrag unterschreibt, sondern auch noch fünfzehn andere junge Menschen bei fünfzehn anderen Züchtern? Und fünfzehn andere Trainer wissen, wie sie im nächsten Showjahr über die Runden kommen, weil sie genug Trainingspferde im Stall haben? Damit wir dann eine Szene haben, die weiter wachsen kann und vielleicht auch von der breiten Öffentlichkeit verstanden wird. Und man am Ende des Tages einfach nur mit dem positiven Gedanken ins Bett gehen kann, dass man soeben einen Traum erfüllt hat – so wie es Jagfelds sicher getan haben, als Julia ihren ersten Erfolg auf der Q12 gefeiert hat.

–  LK

When we published the portrait of Julia Hockmann a few days ago, we received a lot of positive feedback: messages, likes and comments of which one said that Julia was living the dream of any young horse-addict. Yes, she does. And still, we need to as ourselves, why Julia’s story is that extraordinary our industry. While some might have viewed our article about her as emotional or romanticizing, it addresses one major problem of the horse show industry in Europe and in general.

First things first: This article is of course dealing with a so-called First World Problem. In a world in which hunger in Somalia and the refugee crisis are predominant topics among the media, the problem I want to address can only be named a bagatelle. But still: In our industry there are trainers, breeders, co-trainers – and they all need to make money. Which is not easy in an industry as small as our European AQHA/APHA industry – I’m sure, any young breeder or trainer approves of that. So why make a young girl’s dream come true? I am sure that this was the only agenda of the Jagfeld family when they made Julia part of their team. And still they contributed to our industry in a way, no one should underestimate.

In our article Julia stated that she wanted to own a horse as a grown-up. That means: One day she – being the lover of American Quarter Horses that the Jagfeld family fostered – will buy a horse of that race. Boom, one potential client. In an industry in which one client more can tip the scales.

What the Jagfeld family did for Julia and what a few other horse owners do as well, is an act of generosity. Anyone who works all day and all night to pay for his or her horse will agree when I say that giving your horse to another person is generous. It is equally generous if you give your horse in whose training you have put years of effort away to another rider who rides differently, who is different. It is generous and it is risky. And still, it is a risk that many people in this industry could easily take.

In the past I’ve often been asked by outsiders why our industry is that unpopular among other people and the media. The reason is not “bad” economy (FWP) or a lack of interest in horses, but the fact that we do our best to maintain as insular an industry as possible. In any big sport, take soccer for instance, fostering the youth is on the main agenda of even the smallest clubs in Podunk. In our industry no one tried to answer the main question of the problem: How can we make it possible for young people to compete at a high level without their own horse?

Instead of complaining about the programs of other associations or mock the pleasure horses, why not use all our energy to develop a program to foster young, talented riders? So that in ten years, not only Julia will probably buy a horse at Jagfeld QH, but fifteen other young people will buy horses from fifteen other breeders. And fifteen trainers will know how to make it through the year, because they have enough horses to train. And maybe only because then someone can go to bed one night, knowing he or she has made a dream come true – just as the Jagfeld family might have done when Julia celebrated her first success at the Q12. We might not benefit today or tomorrow, maybe only in ten years, but our industry will benefit more.

– LK

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