The Not So Evil Hunter Horse Or Why Specialized Quarter Horses Are Better Than Their Reputation

Seit Monaten können sich diverse Westernreit-Medien kaum auf ein anderes Thema fokussieren als das des spezialisierten American Quarter Horse. Auch in Facebook Gruppen liest man immer häufiger davon und immer ist der Grundtenor ein negativer. Zeit, sich Gedanken zu machen, weshalb die Spezialisierung existiert, wie wir von ihr profitieren können und weshalb sie nicht konstant verteufelt werden darf.

“Ein spezialisiertes Quarter Horse, das nur Pleasure oder Trail geht – das kann man doch auf der Ranch nicht gebrauchen” – ein viel geäußertes Statement, weshalb ein spezialisiertes Quarter Horse “nutzlos” ist. Jeder, der sich differenziert mit dem Statement auseinandersetzt, merkt, dass es in zwei Punkten Schwächen aufweist: 1941 wurde das erste offizielle American Quarter Horse eingetragen – nur sechs Jahre später war ein eingetragenes Pferd dieser Rasse auf der Rennbahn erfolgreich. Das American Quarter Horse war ergo nur sechs Jahre nach seiner offiziellen “Geburt” bereits im Sportpferde-Milieu unterwegs – ein Zeichen dafür, dass sich unsere Welt ändert, dass Ranch Horses gar nicht unbedingt gefragt waren. In 99,9 Prozent der Fälle bestand ebendiese Ausgangssituation, als die ersten Quarter Horses nach Deutschland gebracht wurden. Für die Arbeit? Um die hauseigene Rinderherde in Schach zu halten? Wohl kaum. Das American Quarter Horse war schon im historischen Kontext bei seiner Eintragung kein reines Arbeitstier mehr, in Deutschland in den seltensten Fällen. Der Mensch hat sich vom Pferd als Arbeitstier getrennt; wer Näheres dazu erfahren will, dem empfehle ich Das letzte Jahrhundert der Pferde – Geschichte einer Trennung. Einst war das American Quarter Horses auf die Rancharbeit ausgerichtet, wie das Mobiltelefon auf das Telefonieren. Heute ist das American Quarter Horse ein Sportpferd und das Smartphone kann nahezu alles. Die Zeiten ändern sich, das mag man bedauern, akzeptieren muss man es trotzdem.

 

Moments Of Glory, eines der Pferde der Familie Bartholatus und mittlerweile ein seltenes Exemplar in der AQHA Szene: Der Wallach hat Medaillen in Halter, Performance Halter, Showmanship, Horsemanship,Western Riding, Equitation, Reining und Ranch Riding gewonnen; Bild: Art&Light, Corrie Fuhr
Moments Of Glory, in Allroundklassen und Reining/Ranch Riding erfolgreich; Bild: Art&Light, Corrie Fuhr

Vielseitigkeit – das scheint das K.O. Kriterium der Quarter Horses zu sein. Auf die anderen Kriterien beruft man sich deutlich seltener. Zur Erinnerung, hier einmal das Zuchtziel der DQHA:

„Es wird ein vielseitig verwendbares Pferd gezüchtet, welches für den Freizeit- als auch für den Turnier- und Rennsport geeignet ist. Neben der korrekten Ausprägung der rassetypischen Körperformen und Bewegungen, soll das Pferd harte Konstitution, Ausdauer, Gesundheit und Genügsamkeit besitzen. Besonderer Wert wird auf gute Charaktereigenschaften und ein gutartiges Temperament gelegt.”

Dann bleiben wir doch bei der oftmals erwähnten Vielseitigkeit: Die oft beschimpften spezialisierten “Pleasurepferde” sind diejenigen, die ein, zwei Jahre später Klassen wie Trail, Horsemanship, Western Riding, Showmanship und teilweise sogar HuS und Equitation dominieren. Sie decken somit idealerweise fünf bis sieben Klassen ab. “Vielseitigkeit” heißt nun einmal nicht zwingend, dass das Pferd erfolgreich in Versatility Ranch Horse läuft oder Ranch Riding Champion ist. Die Versatility Ranch Horse besteht aus sechs Teildisziplinen, fünf, wenn man die Conformation als nachrangig ansieht. Sechs versus fünf bis sieben. Dass das äquivalent ist, muss man wohl nicht deutlicher ausführen. Schaut man sich Erfolgspferde wie Pia Lipps’ Investin TheWildcard oder die Pferde der Bartholatus Schwestern an, die seit Jahren konstant in einer Vielfalt von Disziplinen unterwegs sind, kann man die Vielseitigkeit der angeblich viel zu spezialisierten Pferde der Pleasure-/Hunternische kaum noch in Frage stellen.

Das Ideal des American Quarter Horse, das war wohl einst eines, das beide Sparten abdeckte: die Ranch/Kuh-Disziplinen und die eher dressurartigen Disziplinen wie Horsemanship und Ähnliches. Aber sofern nicht irgendjemand Klone von Papas Fritas hinter verborgener Türe großzieht, ist das heutzutage schlichtweg nicht mehr gegeben. Also weshalb die Spezialisierung nicht als die Chance ansehen, die sie ist? Nehmen wir aufgrund der Allround-Ausrichtung unserer Seite, diese Sparte der Spezialisierung als Beispiel. Die oft verteufelten Hunterpferde sind die Chance, die wir haben, um unsere Szene zu vergrößern und verständlich zu machen. Aus einem einfachen Grund: Der Laie per se wird unseren Sport nie als vielseitig ansehen, wenn man ihm konstant das Bild des rinderfangenden Westernreiters vermittelt – grade über die Hunterpferde, deren Ausrüstung auch einem Laien nicht völlig fremd ist, könnte man einen Einstieg in die Szene liefern, der verständlich ist: “Hunt Seat Equitation ist eine Klasse, in der man eine kleine Dressuraufgabe reitet und der Sitz des Reiters bewertet wird.” It’s as easy as that, das versteht sogar mein Nachbar von nebenan. Auch für Englischreiter wird der Einstieg in die Vielfalt des Westernreitens leichter, wenn man ihm zuerst einmal die Hunter erklärt und ich würde behaupten, dass sicher der ein oder andere Englischreiter angetan wäre, wenn man ihm von Turnieren erzählt, auf denen Klassen angeboten werden, die man im Englisch-Outfit reitet, die einer einfach Dressuraufgabe ähneln – und das aber auf Pferden, die meistens mehr Nervenstärke beweisen als das ein oder andere Warmblut.

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Pia EqEines der vielseitigsten Paare im Allroundsport: Pia Lipps & Investin Thewildcard

Oft wird an den Hunter-Spezialisten kritisiert, dass sie manchmal fünfzig Prozent Vollblutanteil haben, was den Charakter der Pferde unruhig und schwierig werden lässt und das Fundament zu instabil. Vorurteile, die Alexandra Jagfeld, Besitzerin des verstorbenen Green With Invy, nicht bestätigen kann:

Ich bin ein großer Fan des TB-Anteils im heutigen Quarter Horse, da es ein gutes Fundament, z.B. starke Hufe und Beine mitbringt. Außerdem mag ich die langbeinigen Pferde mit raumgreifendem Gang! Das liegt vielleicht auch daran, dass meine Familie ursprünglich aus dem klassischen Reitsport kommt. Unserer Erfahrung nach haben diese Pferde mit 50% TB ein unwahrscheinlich großes Herz und arbeiten über die Basis des Vertrauens zu 100% für den Reiter. Green With Invy, der aus einer TB Stute war, war mein absolutes Herzenspferd. Nicht nur sein Äußeres, sondern auch seine Seele war wunderschön! Dazu hatte er ein unglaublich geschmeidiges Gangwerk – es war wie fliegen, ohne den Boden zu berühren! Zudem war er sehr robust – selbst mit 15 Jahren lief er noch ohne gesundheitliche Probleme im großen Sport und stand oft Grand Champion in der Halter. Auch seine Nachkommen zeigen, dass Invys guter Charakter in ihnen weiterlebt – ich vermisse ihn trotzdem jeden Tag! Auch wenn wir Invy sehr vermissen, sind wir sehr froh, dass unser momentaner Deckhengst Keep On Kruzin auch eher das großrahmige Quarter Horse mit stabilem Fundament, ausgreifenden Gängen und guten Charakter verkörpert!

Im Folgenden ein Video von Green With Invy zu Lebzeiten – ein halbes Vollblut, ohne Equipment, mit einem anderen Pferd in der Halle – und das als Hengst.

 

Auch Cathrin Gutmann, die mehrere Hunterpferden besitzt, sieht die Vorurteile über die “heißen” Hunterpferde als überholt an:

“Entscheidend ist – Blutanteil oder nicht – immer noch die Kinderstube, die das jeweilige Pferd genossen hat. Ich weiß bei jedem meiner Pferde, wie ich es arbeiten muss, dass es von jedermann zu reiten ist – manche meiner Pferde sind besonders good-minded, da würde ich nach der Arbeit auch unter Aufsicht meine kleine Tochter draufsetzen – aber auch das nie leichtfertig, egal, bei welchem Pferd. Es ist einfach nicht jedes Pferd gleich – ich hatte auch schon einmal einen “heißen” Reiner. Ist ein Hunterpferd trotz guter Kinderstube nicht leicht zu händeln, darf man damit auch nicht weiter züchten, egal, ob das Pferd sehr hübsch ist oder irgendwelche Titel gewonnen hat. Ich glaube, das Ziel ist ein gut aussehendes, verlässliches Pferd mit guten Gängen und gutem Mind – dafür muss man selektiv und verantwortlich züchten und die richtigen Trainer mit den Pferden befassen. Grundsätzlich hat alles seine Berechtigung, auch wenn es sich manche Leute nicht vorstellen können: der Reining-Typ, der Pleasure-Typ, der Hunter-Typ und auch der Foundation-Typ.”

Die Spezialisierung öffnet unseren Markt für diejenigen aufstrebenden Reiter und Züchter aus anderen Ländern, die auf der Suche nach spezialisierten Quarter Horses sind, diese aber in ihrem Land noch nicht finden – denken wir doch nur an Teile Skandinaviens oder das Vereinigte Königreich. Ohne die Spezialisierung würden sie Pferde aus den USA importieren und die deutsche Zuchtszene würde sich wundern, weshalb die Verkaufszahlen sinken. Und damit sind wir auch wieder bei der obigen Frage: Weshalb existiert die Spezialisierung des American Quarter Horse? Das Angebot deckt meistens die Nachfrage. Und die Nachfrage ist nun einmal eben so, dass manche Reiter gerne athletisch – vielleicht in Erinnerung an einstige Englischreiterzeiten wie die Familie Jagfeld – im Huntersattel auf einem großrahmigen Pferd mit schwingendem Trab reiten möchten, die anderen die Herausforderung eines präzise gerittenen Trailpatterns lieben und der Dritte den Speed bei einem Rundown Down The Fence am Rind bevorzugt. Menschen sind verschieden und spezialisiert, wieso sollte es das Quarter Horse nicht auch sein? Was alle Typen stets trotz der sportlichen Spezialisierung eint, ist der ausgeglichene Charakter. Und das ist es, was wir schätzen sollten, anstatt die jeweilige andere Sparte zu verteufeln. Es gibt sowohl gegen die “Allround”-Szene, als auch gegen die Reining/Rind/Ranch Szene gleichermaßen berechtigte Vorwürfe, die sachlich angesprochen werden dürfen und müssen. Sich nur auf eine Seite einzuschießen, ist allerdings nicht mehr zeitgemäß und zeugt von Un­dif­fe­ren­ziert­heit.

Text: LK

 

ENGLISH VERSION

For months now, some Western Riding magazines in Germany have almost exclusively concentrated on one topic: the specialization of the American Quarter Horse or the influence of “the evil thoroughbred”. The topic has spread to Facebook groups and people were in most instances demonizing the phenomenon. Time to analyze why there is such a thing as the specialization of the Quarter Horse, in what way we can benefit from it and why it is not justified to constantly damn it.

“Well, a Quarter Horse that is only able to do Pleasure or Trail is not useful at a ranch“ – an often uttered argument when it comes to the specialization of the Quarter Horse. Anyone who deals with this statement in a differentiated way will come to note that it has two weak points: The first Quarter Horse was registered in 1941 – only six years later a Quarter Horse was immensely successful on the racetrack. Ergo, the Quarter Horse has been a performance horse, only six years after being officially registered – a sign of how our world changes, how ranch horses were not needed always anymore. 99,9% of the Quarter Horses that were brought to Germany during the starting years of the AQHA industry in Europe were imported for exactly that cause: being performance horses or “pets”, not to work with cattle or executing any other job at a farm. The American Quarter Horse has drifted away from being a sole working animal as soon as it was an officially registered race: Man and horse have dissolved their industrial relation. Once, the American Quarter Horse was intended solely for ranch work, as was the cellphone for phone calls. Today, the Quarter Horse is a performance horse and smart phones rule our lives. The world changes, one may regret this, but has to accept it nonetheless.

Moments Of Glory, owned by the Bartolatus family: The gelding has won medals in Halter, Performance Halter, Showmanship, Horsemanship,Western Riding, Equitation, Reining und Ranch Riding - an extraordinary performance in today's AQHA industry; picture: Art&Light, Corrie Fuhr
Moments Of Glory, owned by the Bartolatus family: The gelding has won medals in Halter, Performance Halter, Showmanship, Horsemanship,Western Riding, Equitation, Reining und Ranch Riding – an extraordinary performance in today’s AQHA industry; picture: Art&Light, Corrie Fuhr

Versatiliy, that seems to be the deal breaker when it comes to describing the Quarter Horse. Most other criteria are fading next to that apparently immensely crucial point. To recall for everyone, the breeding aim of the DQHA:

The Quarter Horse has to be versatile, and suitable as leisure, performance and race horse. The horse should display certain body characteristics and movement as well as good physique, health and frugalness. Above all, these horses should be extra-ordinarily good-minded.

Okay, let’s stick with the versatility: The pleasure horses, among the most frequently mocked “specialists”, are those horses which dominate events such as Trail, Horsemanship, Western Riding, Showmanship and sometimes HuS and Equitation once they are older. Ideally, they can be shown in five to seven classes, not counting Performance Halter or Halter. Versatility does not necessarily entail that a horse has to be successful in Versatiliy Ranch Horse or Ranch Riding. Versatility Ranch Horse consists of six events, five, if you put Conformation aside. Six versus five to seven. There is no need to point out that this is equivalent. If you look at successful performers such as Pia Lipps’ Investin Thewildcard or the horses of the Bartholatus sisters who are competing in a wide range of disciplines and are in the ribbons nearly every time, you can hardly doubt the versatility of the pleasure/hunter horses.

Once, the ideal Quarter Horse has been one that was able to cover both areas: the ranch disciplines and the – what is today called – all round disciplines. Well, in case there is not anyone who is raising clones of Papas Fritas in secrecy, this is simply not possible anymore. So, why not look at the specialization as the chance that it is? Since our website mainly concentrates on the allround sport, we will have a closer look at that niche. The hunter horses – often mocked as warmbloods and wannabe-Quarter-Horses – are actually the perfect chance to enlarge our European industry and make our sport accessible to outsiders. For one simple reason: Any layman will never view our sport as versatile if it is always presented as “the cowboy way of riding”. The hunter horses and the English attire – which most laymen are acquainted with – can form an understandable access to the AQHA/APHA industry, for example if you explain Equitation as an event in which the rider has to perform a small “dressage” pattern and is judged on his body position and commands. Any rider who has started as a dressage rider or jumper will definitely understand the western sport easier if HuS or Eq is the first event that is introduced to him or her. Furthermore, I’d like to claim that some dressage riders or jumpers might be enthusiastic if told about shows at which you ride small patters in English attire, but together with horses that are better-minded that some warmbloods.

 

An often criticized aspect of the “Hunter-specialists” is the fact that they are sometimes 50% thoroughbred, what would make them less good-minded with worse foundation and body. Alexandra Jagfeld, former owner of Green With Invy, cannot agree on those prejudices:

I am a big fan of Quarter Horses with TB-percentage, because they have a good foundation, i.d. strong hooves and legs. I like taller horses with longer strides! That could be explained by looking at my family history: My parents were once dressage riders and show-jumpers. From our experience, we can say that the cross QH x TB produces horses with an incredibly huge heart – they would give their all for their rider. Green With Invy, whose mother was a TB, was my once-in-a-lifetime-horse! He was a beauty, inside and out. He had a great, smooth movement – it was like flying without touching the ground! Furthermore, he was very robust – he was consistently winning at the age of fifteen without sound issues and was crowned Grand Champion in Halter multiple times. His offspring has inherited his amazing character and he thereby lives on – I, however, miss him everyday! Although we miss Invy, we are happy that our current stallion Keep On Kruzin represents the same type of Quarter Horse: tall, with solid foundation, long, flowing strides and an amazing character.

This video shows the late and great Green With Invy:

 

Austrian native Cathrin Gutmann owns a few specialized hunter horses and would definitely call herself a fan. From her point of view any prejudice about the “hot tempered” hunter horses is obsolete:

The horse’s education is what is crucial, not the percentage of TB. I know how much I have to work my horses so that they can be ridden by anybody – some of my horses are extremely good-minded and I would let my little daughter ride them. But only after I have worked them and, of course, under my guidance – I always watch her really carefully, no matter if she is riding one of my hunter horses or another one. Not every horse acts the same – I once owned a ‘hot’ reiner, for instance. If a hunter horse is not easy to handle despite good education, you should not breed it, no matter how pretty or successful it is. I think, the goal is to breed a good-looking, reliable horse with good movement and mind – that means: responsible breeding and effective training. In general, every niche should be respected: reining horses, hunter horses, pleasure horses and foundation horses.

The specialization of the Quarter Horse strengthens our industry and opens it up to those aspiring breeders and riders from other countries who are searching for Quarter Horses that can excel in one discipline – examples for such countries would be the Scandinavian countries or those located in the UK. Without the specialization of the Quarter Horse in Europe, they would import horses from the US, while European breeders would grief over bad sale figures. Which leads back to the initial question: Why did the specialization take place? The answer is easy: supply and demand. Some people demand athletic hunter horses with flowing gaits – maybe because they have a history like the Jagfeld family – others love the precision of Trail and another enjoys going down the fence in a Cowhorse class. People are different and “specialized” – and so is the Quarter Horse. What unifies them all despite their specialized performances is their excellent mind. This is the aspect of the Quarter Horse that we should cherish, instead of damning one of the niches. Both, the reining/cattle/ranch industry as well as the allround industry can and have to be criticized, but demonizing one niche is not contemporary and is evidence of undifferentiated thinking.

Article: Leonie Küthmann

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